Wie Sie vielleicht wissen, sind unsere Wiltener Sängerknaben vor zwölf Tagen zu einer großen Chinatournee aufgebrochen, um dort in verschiedensten Städten Konzerte zu geben und damit über den Weg der Musik Brücken zu schlagen zwischen Nationen und Völkern. 

Aber jemand, der noch x-mal bedeutender ist als unsere kleinen Friedensboten, ist der Papst. Er wird vom 14. bis 18. August nach Korea reisen. Dabei ist es ihm auch ein Anliegen, eine Brücke nach China zu schlagen. Denn es gibt zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China keine diplomatischen Beziehungen. 

Und weiters möchte Papst Franziskus vor allem sich mit asiatischen Jugendlichen treffen, die sich anlässlich des 6. Asiatischen Weltjugendtages in Südkorea versammeln werden. Das Motto dieses Jugendtages lautet: „Die Herrlichkeit der Märtyrer strahlt auf euch“. Dieses Treffen mit einem Gottesdienst wird in Haemi stattfinden.

Haemi ist eine Gedenkstätte des Grauens. Sie liegt in der koreanischen Provinz Chungcheong-do und war das Zentrum der Verfolgung der dortigen Katholiken. 

Ungefähr ein Jahrhundert lang – von 1790-1880 - ließen die Kommandanten der Basis in der gesamten Provinz 3.000 Gläubige verhaften. Ohne irgendeinen Prozess sind Christen innerhalb dieses Areals getötet worden. Es gab im Inneren der Festung zwei Gefängnisse, die später unter der japanischen Kolonialherrschaft zerstört worden sind. Dort wurden die Christen gefangen gehalten und gefoltert. Heute sind sie wieder aufgebaut und ihnen gegenüber steht noch der Baum, an dessen Ästen die Christen damals an den Haaren aufgehängt wurden, während ihr Körper nach unten baumelte. Tag und Nacht wurden sie wie Sklaven aneinander gefesselt. Die Fesseln wurden nur gelöst, um sie zu einem riesigen Felsmassiv zu führen, auf das sie wiederholt mit dem Schädel geschlagen wurden. Die Folgen waren Brüche und Wunden, die enorme Blutspuren hinterließen, die bis heute sichtbar sind. 

Dort also wird Papst Franziskus am 17. August den Jugendlichen aus Asien begegnen und um Frieden und Versöhnung bitten: Ein wahres Konzert des Glaubens unter freiem Himmel.

Insgesamt sind im 19. Jahrhundert in Korea an die 10.000 Katholiken getötet worden. Papst Johannes Paul II. hatte bei seiner ersten Koreareise im Jahre 1984 103 Märtyrer heiliggesprochen. Und Papst Franziskus wird diesmal 124 Märtyrer zur Ehre der Altäre erheben.

Aber wir müssen nicht in die Vergangenheit schauen: Die Zeit der Märtyrer gibt es heute noch. Ja im Gegenteil: Es gibt heute nicht weniger Märtyrer als zurzeit eines Kaiser Nero. Auch heute werden Christen verfolgt, vertrieben, gefoltert, getötet. Denken wir nur an den Nahen Osten in diesen Tagen, wie z. Bsp. an die biblische Stadt Ninive, das heutige Mossul, aus der bereits alle Christen fliehen mussten.

Oder denken wir an das stalinistisch geprägte Nordkorea, das weiterhin von Repressalien und brutalen Verfolgungen geprägt ist, obwohl offiziell Religionsfreiheit gilt. Der Menschenrechtsorganisation Open Doors zufolge ist Nordkorea das Land mit der schlimmsten Christenverfolgung weltweit. Oft genügt schon der Besitz einer Bibel als Internierungsgrund für eine ganze Familie in einem Arbeitslager.

Das griechische Wort Märtyrer bedeutet übersetzt „Zeuge“. Wir getaufte und gefirmte Christen haben den Auftrag übernommen, Zeugnis zu geben vom Evangelium, diese Frohbotschaft täglich zu meditieren, zu lesen, sie in unser Leben umzusetzen und sie durch unser gelebtes Zeugnis und auch durch unser mutiges Wort zu bezeugen. 

Jeden Tag sind wir aufgerufen, Zeugnis zu geben:

Indem wir in der Familie beten und so das Evangelium unseren Kindern bezeugen; 

indem wir vor unseren Kollegen über unseren Glauben sprechen, wenn wir gefragt werden; 

indem wir ein Kreuzzeichen machen, wenn wir an einem Weg-kreuz, an einer Kapelle oder Kirche vorbeigehen oder vorbeifahren; 

indem wir ein Tischgebet sprechen, auch in einem öffentlichen Gasthaus; 

indem wir die Kirche verteidigen, wenn sie angegriffen, als altmodisch belächelt wird; 

indem wir Zeugnis geben von dieser Frohbotschaft dadurch, dass wir diese Freude auch selber ausstrahlen und nicht nur ständig um unser eigenes Ich besorgt sind und uns verkriechen in unseren Eifersüchteleien, in unseren Beleidigtheiten, weil wir gerade nicht im Mittelpunkt stehen, weil meine Meinung nicht so ankommt, wie ich möchte, weil ich zu wenig beachtet werde und ach doch so wichtig wäre. 

Indem wir Zeugnis geben und offen bekennen: Ich gehe am Sonntag zur heiligen Messe; ich empfange das Sakrament der Versöhnung; ich bete zu Gott, indem ich ihm meine Sorgen anvertraue, indem ich ihm täglich Danke sage. 

Und auch: Indem ich täglich bezeuge: Der Wegweiser für mein Leben ist Jesus Christus: Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Martyrium beginnt mit dem Zeugnis Tag für Tag. Dieses Zeugnis kann auch mit dem Blut enden, so wie bei Jesus, dem ersten Märtyrer, dem ersten Zeugen. Oder so wie bei einem heiligen Laurentius wie bei den vielen heiligen Märtyrern der Kirche, derer wir im Laufe des Kirchenjahres immer wieder gedenken oder wie bei den Märtyrern, die in diesen Tagen sterben und derer wir heute auch gedenken wollen. Amen.

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