Fest der hl. Theresia von Avila

Beginn des Jubiläums 500 Jahre seit ihrer Geburt

 

Umkehr zu Gott

Wenn wir die Biographien der Heiligen betrachten, dann fällt auf, dass es oft ein großes Bekehrungserlebnis gab, ein größeres Ereignis, in dem die Seele des Menschen begonnen hat, sich ganz Gott zuzuwenden, eben umzukehren, sich zu bekehren.

Wir kennen aus der Apg 9 die Bekehrung des hl. Paulus kurz vor Damaskus. Es gibt dafür sogar ein eigenes Fest, nämlich am 25. Jänner.

Auch die Bekehrung des hl. Augustinus feiern wir in großer Dankbarkeit an einem eigenen Gedenktag, nämlich am 24. April. Augustinus beschreibt seine Bekehrung in seinen Confessiones (Bekenntnissen): Ein Knabe im benachbarten Garten singt immer wieder die Worte „Nimm und lies!“. Und Augustinus nimmt diesen Singsang als göttlichen Befehl, schlägt die Heilige Schrift auf, und zwar das 13. Kapitel aus dem Römerbrief des Apostels Paulus. „Am Ende dieser Worte kam das Licht des Friedens über mein Herz und die Nacht des Zweifels entfloh“, so schreibt er in seinen Confessiones.

Wir Prämonstratenser feiern nächstes Jahr ein wichtiges Jubiläum, das Jubiläum einer Bekehrung. Vor 900 Jahren, es war am 28. Mai 1115, ist unser Ordensgründer der hl. Norbert bei einem Gewitter auf seinem Ritt nach Vreden so wie Paulus von einem Blitz getroffen worden und zu Boden gestürzt. In seiner Todesangst schrie er: „Herr, was willst du, was ich tun soll?“ Und in seinem Inneren hörte er die Stimme: „Meide das Böse und tu das Gute!“ (Ps 37,27). 

Das war also im Jahr 1115. Genau 400 Jahre später, also im Jahr 1515 (und zwar am 28. März) wird in Avila in Spanien eine Frau geboren. Sie wird später als Karmelitin Christus ein Gedicht schreiben, dem sie sich besonders nach ihrer Bekehrung ganz hingibt: „Dein bin ich, für dich geboren, was willst du, Herr, von mir?“ Erinnern wir uns an die Worte des hl. Norbert: „Herr, was willst du, was ich tun soll?“

Für dich bin ich geboren“, ist auch das Motto des Jubiläumsjahres anlässlich ihres 500. Geburtstages im kommenden März, das mit diesem heutigen Fest beginnt. Es ist die hl. Theresia von Jesus oder von Avila, die wie gesagt am 28. März 1515 geboren wird, also vor einem halben Jahrtausend. 

Für Ihn ist sie geboren. Das wird ihr ganz besonders deutlich im „Jahr ihrer Bekehrung“, im Jahre 1554. Dabei entdeckt sie, dass erst in der Freundschaft mit Christus der Mensch zu sich selbst findet. Von dieser Freundschaft spricht auch die heutige erste Lesung aus dem Buch der Weisheit: „Ein unerschöpflicher Schatz ist sie für den Menschen“ – nämlich die Weisheit, der Geist der Weisheit, das ist Gott selbst; „alle, die ihn erwerben, erlangen die Freundschaft Gottes“ (Weish 7,14). Christus ist der Erlöser aller Menschen. Nur in Verbindung mit ihm, im Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, können wir Menschen unser Menschsein verwirklichen. Darauf verweist auch die heutige Johannesperikope. Die Juden wundern sich, dass Jesus so gut die Thora, die hl. Schrift versteht, ohne dafür ausgebildet zu sein. Und Jesus darauf: „Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.“ (Joh 7,16). Die tiefe Freundschaft mit Christus verbindet uns also mit Gott selbst.

Es waren die Lektüre der Confessiones des hl. Augustinus und die Betrachtung der Statue des gegeißelten Heilandes, die ihre Bekehrung, ihre totale Hingabe an Christus bewirken, die sie später in ihrem Werk „Die innere Burg“ beschreiben wird. Durch verschiedene mystische Gaben, imaginäre und geistige Visionen, Auditionen und andere Gnaden führt sie der Herr selbst auf ihrem geistlichen Weg. 

Theresa von Jesus war sich bewusst, dass Jesus durch die Hingabe seines Lebens die Welt verändert hat. Nun geht Er an ihrer Seite und möchte, dass sie die Geschichte verändert. Nur durch ihre Bekehrung und die Bekehrung vieler Menschen wird die Welt sich ändern, kann das Reich Gottes gegenwärtig werden hier auf Erden. Sie gründet kleine Gemeinschaften von Frauen, die der Welt zeigen möchten, dass vor allem die Liebe den Lauf der Geschichte verändern kann, und zwar die Liebe, die Gott den Menschen schenkt. Deshalb braucht es die tägliche Entscheidung, sich zu verändern, sich zu bekehren, so zu lieben, wie Gott geliebt hat. Diese tägliche Umkehr ist aber nur möglich in einer tiefen Freundschaft mit Christus, der uns begreifen lässt, dass wir als Menschen einmalig sind, geliebt und dazu berufen, glücklich zu sein. 

Diese Freundschaft mit Christus finden wir vor allem in der Stille, im Gebet, in der Meditation, in den Exerzitien, in einer Wallfahrt, in der Lektüre geistlicher Schriften, im Meditieren der Heiligen Schrift. Und am Ende dieses inneren Dialoges mit Gott steht immer der Satz: Dein bin ich, für dich geboren, was willst du, Herr, von mir?

Unsere Bekehrung:

Wenn wir auf unser Leben schauen, finden wir meistens keine spektakulären, großen Bekehrungserlebnisse. Aber es gibt im Lebensalltag immer wieder Augenblicke des Neubeginns, Augenblicke, in denen wir von neuem umkehren, uns wieder Gott zuwenden. Manchmal braucht es dazu eine strenge Ermahnung von außen, manchmal den liebevollen Hinweis eines Vertrauten, damit wir unseren Lebensstil ändern. 

In den 70er Jahren gab es das moderne Kirchenlied „Immer beginn ich von neuem, doch immer fall ich zurück“. Heute noch erinnere ich mich immer wieder an diese Worte, wenn ich merke, dass ich nicht auf dem Weg zur Heiligkeit bin, nicht in der Einheit mit Gott. Auch wenn wir Sünder sind, wenn wir fallen: Jederzeit, immer dürfen wir wieder aufstehen und von neuem beginnen. Das ist nur möglich, weil Gott uns unendlich liebt und uns nichts mehr vorhält oder nachträgt, wie wir es oft unter uns Menschen leider tun. 

Ehrwürdige Schwestern, liebe Mitchristen! Dieses Jubiläum, 500 Jahre Geburt der hl. Theresa von Jesus möge ein Gnadenjahr werden, ein Jahr, in dem wir jeden Tag aufstehen und von neuem beginnen. Möge es uns gelingen, uns gegenseitig zu ermutigen, ständig umzukehren, umzudenken (griechisch: metanoein), uns ganz Gott zuzuwenden, um in einer tiefen Einheit mit ihm die Welt zu verändern und zu erneuern. Amen. 

 

 

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