In ihrer Thematik entfalten die Bilder einen christologischen und einen mariologischen Zyklus, dem verschiedene Engel- und Heiligenbildnisse angeschlossen sind, und diese Zuordnung bestimmt auch die Reihenfolge ihrer Aufhängung. Tatsächlich aber, so wird man sagen müssen, sind die jeweils behandelten Bildthemen nur perspektivische Anvisierungen eines einzigen Mysteriums, das von Christus, als der Urikone Gottes, heraufleuchtet und sich in die ganzeHeilsgeschichte hinein mitteilt. Von solchem Ursprung her sind dann, gemäß ostkirchlichem Verständnis, auch die einzelnen Ikonen Träger und Teil dieser Mitteilungsbewegung und insofern ihrerseits Konkretisierung und Vergegenwärtigung der Heilsgeschichte.

Dieser Sichtweise entsprechend lag es in der Intention des Stifters der Ikonensammlung Wilten, dass die Bilder nicht bloß einem ausschließlich kunsthistorischen Interesse in gleichsam museumartiger Präsentation zugänglich gemacht würden. Vielmehr sollten sie als Bilder der Kirche, als welche sie durchwegs auch Gegenstand liturgischer Verehrung waren, wiederum in einen Kirchenraum zurückkehren. Hiefür boten sich die oberen Galerien der Stiftskirche Wilten an. Hier sind die Ikonen der Versammlung zahlreicher Heiligenbildnisse eingegliedert, die schon die barocke Freskenmalerei als Vision der himmlischen Ekklesia ins Kirchengewölbe setzte. Hier gebietet überall die sakrale Gestimmtheit des Raumes, wirkt die mächtige Weite des Gewölbes in die Galeriegänge herein und bleiben doch auch Nebenbereiche, die für Führungen eine freiere Bewegung erlauben. Aus dieser besonderen Situation ihrer Platzierung ergeben sich zudem vielfach korrespondierende Bezüge. Denn die Bildthemen der Ikonen, die in ihrer Fülle sehr gut den Reichtum orthodoxer Theologie repräsentieren können, finden sich durchwegs auch im barocken Kirchenraum dargestellt gemäß ihrer uns bekannten westlich-ikonographischen Tradition. Damit wird Wilten zum Ort einer in dieser Weise wohl einzigartigen Zusammenschau von östlicher und westlicher Überlieferung, einer Zusammenschau von wahrhaft europäischem Horizont, welcher Wilten, als einem Kreuzungspunkt bedeutender europäischer Achsen zwischen Nord und Süd, zwischen West und Ost, seit jeher schon eignete.

Vor solchem Hintergrund ist auch klar, dass mit der nun fertig gestellten Installierung der Ikonensammlung Wilten nicht nur ein Werk abgeschlossen wurde, sondern zugleich eine Aufgabe erst begonnen hat: Nämlich Ost und West, Orthodoxie und katholische Kirche in einer ökumenischen Gesamtsicht einander begegnen zu lassen. Und dies liegt nun ganz in der Intention des Chorherrenstiftes Wilten und seines hochwürdigen Abtes Mag. Raimund Schreier.

Markus Illmer, Architekt

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