Sonntagsimpuls

Eine Möglichkeit zur Vertiefung bieten die "Gedanken zum Sonntag" mit Reflexionen und Texten zum jeweiligen Evangelium.

Eine Möglichkeit zur Vertiefung bieten die "Gedanken zum Sonntag" mit Reflexionen und Texten zum jeweiligen Evangelium.

26. Sonntag im Jkr. B

In jener Zeit sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. 

Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen eine Machttat vollbringt, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen. 

Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. 

Wenn dir deine Hand Ärgernis gibt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. Und wenn dir dein Fuß Ärgernis gibt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, lahm in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. Und wenn dir dein Auge Ärgernis gibt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.

Immer wieder begegnen uns Plakate mit Hinweisen für den Alltag in der Corona-Krise. Die 3 Gs bestimmen unser Leben. Manches ist einsichtig, und manches lässt uns verstört fragen.

Was ist erlaubt?“

Diese Frage wird im kirchlichen Bereich sehr oft gestellt. Amtsvertreter – geweihte und ernannte – stellen sie, wenn Frauen, Männer und Jugendliche aufgrund ihrer Christusverbundenheit mutig Verantwortung übernehmen und selbständig handeln.

„Was ist erlaubt?“

Die Zwölf – heute würde dem eine Bischofskonferenz entsprechen – versuchten jemanden zu hindern, der im Namen von Jesus Mitmenschen von Dämonen befreite. Jesus war anderer Ansicht.

„Hindert ihn nicht!“ sagte er und fügte hinzu:

„Jemand, der/die in meinem Namen machtvoll handelt, wird nicht schlecht von mir reden und denken.“

„Gibt es machtvolles Wirken außerhalb kirchlicher Strukturen?“

Machen wir die Augen auf!

Trotz vieler chaotischer Machtausübung engagieren sich viele rund um die Erde für Gerechtigkeit und Freiheit, sehr oft unter Gefahr für das eigene Leben: Belarus, Russland, Männer und Frauen in Afghanistan, Jugendliche bei >fridays for future<…

Erlaubt und im Sinne Jesu ist alles, wodurch Menschen Liebe und Wohlwollen in die Welt bringen.

Wagen auch wir es, ohne lange zu fragen „Dürfen wir das?“

Einfach weiterdenken...

Heute bieten wir die Möglichkeit, das Sonntagsevangelium nach der kirchlichen Einheitsübersetzung und in der Übertragung in geschlechtergerechter Sprache zu lesen.

Dadurch kann manches Vertraute in neuem Licht aufscheinen.

wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. 

Zur Zeit der Verbreitung des Evangeliums von Markus, gab es schon etliche kleine christliche

Gemeinschaften, verstreut über das heutige Israel, den Libanon, die Türkei und Griechenland. Maßgeblich waren diese Gemeinschaften durch die Missionstätigkeit des Paulus entstanden. In dessen Briefen an sie wird öfter von Konflikten berichtet. Auf einen solchen Konflikt mag auch Markus anspielen. Da gab es also die Zwölf als Leitungsensemble und andere, die aus ihrer Christusverbundenheit heraus Kranke heilten. Solche Konfliktfelder lassen sich durch die Kirchengeschichte hindurch oft finden, heute oft in der Frage „Ist der/die noch katholisch?“

Jesus entgegnete: »Hindert sie nicht. Denn die mit Hilfe meines Namens vollmächtig handeln, werden nicht kurz danach Übles gegen mich reden können. 40Wer nicht gegen uns ist, ist für uns. 

Die Evangelien kennen Jesus als Lernenden. Durch die heidnische Mutter in Tyrus (Mk 7, 24 – 30) entdeckt Jesus die Glaubenskraft außerhalb der jüdischen Gemeinschaft. So entwickelte sich seine jüdische Grundeinstellung weiter. 

Wo kenne ich Menschen außerhalb kirchlicher Strukturen, die heilsam wirken?

…es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen – Es ist besser, dass du verstümmelt ins Leben hineingelangst, als mit zwei Händen von Gott verurteilt zu werden.

Die Lerngeschichte des Volkes Israel war ein Hin- und Herpendeln zwischen Leben und Tod.

Im Bund Gottes mit dem Volk gilt: Leben und Tod lege ich dir vor. Du aber wähle das Leben!

(Mose in Dtn 30, 15)

„Leben“ meint „Reich Gottes“ und gelingendes Leben. Für Tod steht auch oft das Wort „Hölle“.

Die BewohnerInnen von Jerusalem bekamen die „Gehenna“ (Hölle) im Hinnomtal täglich zu Gesicht und zu riechen. Dort wurden der gesamte Müll und Unrat entsorgt und verbrannt. Und das Feuer in der Gehenna brannte Tag und Nacht. 

43Wenn dich deine Hand, dein Auge, dein Fuß vom Weg der Gerechtigkeit abbringt…

Das drastische Wort vom Rat zur Selbstverstümmelung soll warnen und gleichzeitig motivieren. Jesus will uns gewinnen, mit Hand (handelnd), Fuß (gehend) und Auge (schauend) den Weg der Gerechtigkeit zu praktizieren. Der Weg der Gerechtigkeit ist der Weg Jesu, einfach der Weg der Liebe.

Wo finde ich Leute, die den Weg der Gerechtigkeit unter Einsatz ihres Lebens gehen?

Allerdings erleben wir, dass in uns auch Kräfte wirken, die uns hindern in Liebe aufeinander zuzugehen. Es ist ein notwendiger Reifungsprozess, auf diese hinderlichen Kräfte zu achten und sie zu wandeln.

Kenne ich Kräfte in mir, die mich hindern im Wohlwollen auf andere zu schauen?

verordnung um verordnung
ein dschungel voller regeln
ich kenn mich nicht mehr aus
was gilt
was darf ich noch
was ist verboten
verwirrt und müde
klink ich mich aus
und wünsch ganz leise mir
das paradies
erfüllt von achtsamkeit und liebe
erfüllt von solidarität und würde
und ahne schon
es liegt in mir und auch in dir
es liegt an mir und auch an dir
es in die welt zu tragen für und für

petra unterberger

Über den Autor

Petra Unterberger

Petra Maria Unterberger

Dipl.PAss.in Petra Unterberger
Dekanatsassistentin Dekanat Wilten-Land
geistliche Assistentin der Katholischen Frauenbewegung der Diözese Innsbruck
Bibliologin
Lebens-und Sozialberaterin
geistl.Begleiterin
Erwachsenenbildnerin
systemische Beratung und systemisches Coaching
Fortbildung in Tanz- und Bewegungstherapie bei Ursel Burek

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