Sonntagsimpuls

Eine Möglichkeit zur Vertiefung bieten die "Gedanken zum Sonntag" mit Reflexionen und Texten zum jeweiligen Evangelium.

Stift Wilten Seelsorge Impuls

Eine Möglichkeit zur Vertiefung bieten die "Gedanken zum Sonntag" mit Reflexionen und Texten zum jeweiligen Evangelium.

12. Sonntag im Jkr. B

Evangelium des Markus 4, 35 – 41

Am Abend des Tages sagte Jesus zu den Jünger*innen:

Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn.

Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann.

Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.

Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?

Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Plötzlich!
Lebensgeschichten, die mit „plötzlich“ beginnen, gibt es viele.
In ihnen zeigt sich das Drama des Menschseins.

Plötzlich fällt die Botschaft „Ich empfinde überhaupt nichts mehr für dich!“
Plötzlich ist jemand konfrontiert mit einer Erkrankung.
Plötzlich überschwemmt ein Virus die Welt.
Plötzlich…

Das Evangelium des Markus erzählt von einem heftigen Wirbelsturm, der sich plötzlich erhob und die Jünger*innen im Boot in Angst und Schrecken versetzt. Plötzlich wurde ihr bisheriges Vertrauen durcheinandergewirbelt.

„Plötzlich-Erfahrungen“ können sich im Außen und im Innen ereignen. Die Jünger*innen wecken schreiend Jesus. Er stellt sich gegen den Wind und herrscht ihn an. Manche „Plötzlich-Erfahrungen“ erwirken in uns selbst eine ungeahnte Widerstandskraft zum Über-Leben.

Mögen wir in den Wirbelstürmen des Lebens – verbunden mit Jesus – Kraft finden, Angst zu überwinden und wieder Boden unter den Füßen zu finden.

Einfach weiterdenken...

Am Abend des Tages … ans andere Ufer hinüberfahren

Es gibt die Gunst des Abends, wenn Leib, Geist und Seele zur Ruhe kommen können. Manchmal auf dem Balkon sitzen und das Dunkelwerden erleben, wahrnehmen, wie der Gesang der Vögel verebbt und nur noch das Zirben der Grillen zu hören ist. In Gedanken den Tag einsammeln, dankbar für die Begegnungen, mich verbinden mit denen, die in meinem Herzen sind, und sie segnen.

Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm … Jesus aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.

Ihn, der selbst in den Anfechtungen in der Wüste die inneren Erprobungen durchgestanden hat, der den Satan wie einen Blitz vom Himmel fahren erlebte und viele von dämonischen Abergeistern befreit hat, kann offensichtlich vorläufig nichts aus der Ruhe bringen. Doch die Erschütterung des Alleinseins im Ölgarten und am Kreuz muss auch Jesus noch durchstehen.

Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

 Im Schrei der Jünger und ihrer Frage die zahllosen Hilfeschreie der Menschen rund um die Erde erkennen und für sie betend einstehen, kann ein wesentlicher seelsorglicher Dienst sein. Und auch ich selber habe ein Recht, IHN zu wecken, damit ich nicht untergehe und ersaufe.

Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still!

Alles hat seine Zeit, auch das Widerstandleisten! Jesus droht dem Wind stehend, breitbeinig mit voller Kraft. Manchmal kann es hilfreich sein, die eigenen inneren Stürme mit voller Kraft lautstark anzuschreien „Verschwindet! Schleicht´s euch!“ Für solches Schreien eignet sich besonders gut eine Autofahrt allein.

…es trat völlige Stille ein

Welch ein Glück, wenn die Seele zur Ruhe kommt und die trüben Gedanken schweigen! Dann ereignet sich Friede!

du gott lebendige
höre mein rufen
wach auf
in dieser stürmischen zeit
das wasser steht uns bis zum hals
die erde ist in gefahr abzusaufen
im sturm von gier und habenwollen
du gott lebendige
drohe dem wind wie damals jesus
und lass es still werden
führe du uns ins ruhigere gewässer
amen

petra unterberger

Über den Autor

Petra Unterberger

Petra Maria Unterberger

Dekanatsassistentin Dekanat Wilten-Land
Stv. kfbö-Vorsitzende
Bibliologin
Lebens-und Sozialberaterin
geistl.Begleiterin
Erwachsenenbildnerin
systemische Beratung und systemisches Coaching
Fortbildung in Tanz- und Bewegungstherapie bei Ursel Burek

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