Die Chorkapelle des Stiftes Wilten
Die Chorkapelle (auch Winterchor) dient den Teilen des Stundengebets, die nicht in der Stiftskirche stattfinden. Vor der Liturgiereform nach dem Zweites Vatikanisches Konzil wurden hier ganzjährig diePrim und die morgendliche Betrachtung gehalten; in den Wintermonaten versammelte man sich teilweise zu fast allen kanonischen Horen in der Chorkapelle. Traditionellerweise fand dort auch die feierliche Erneuerung der Ordensgelübde an Heiligabend statt. Gegenwärtig finden in der Chorkapelle an Werktagen Mittagshore, Lesehore und Vesper sowie an Sonntagen die Laudes statt.
Der Betchor über der Sakristei besaß bis 1945 einen klassizistischen Altar mit einem Ölgemälde von Josef Arnold der Älteren (1788-1879) aus dem Jahr 1837 sowie eine Kreuzigungsgruppe aus Erz. Ab 1791 befand sich das zweizeilige frühbarocke Chorgestühl der Stiftskirche aus dem Jahr 1668 in der Chorkapelle. 1967 wurde das dieses Gestühl wieder im Presbyterium der Stiftskirche aufgestellt, nach der Renovierung der Stiftskirche 2005–2008 kam es in die Innsbrucker Jesuitenkirche, der Abtstuhl verblieb im Stift.
Die stuckierte Gewölbedecke zeigte ehemals in Rocaille-Rahmen Heilige und Selige des Prämonstratenserordens, geschaffen vom Innsbrucker Maler Joseph Leopold Strickner (1744-1826). Vier Figuren auf Flügeltüren zur Stiftskirche mit Darstellungen der Ordensgelübde (Paupertas, Castitas, Oboedientia und Stabilitas in loco) stammten vom Wiltener Chorherren Otto Bartinger (1823-1891). 1967 wurden die Malereien entfernt, das Stuckgewölbe blieb erhalten. 2012 erfolgte die letzte Umgestaltung der Chorkapelle.