Miriam Trojer, Archiv- und Bibliotheksleitung

„Stift Wilten: Ein Ort, wo Geschichte lebendig wird!“


IN DIESER LEKTION

Gestern & heute

Das Stift Wilten ist ein Ort, an dem Geschichte lebendig bleibt. Hier begegnen sich Vergangenheit und Zukunft: Jahrhundertealte Traditionen werden bewahrt und gleichzeitig mutig in die heutige Zeit übersetzt. Es ist ein Erbe, das verpflichtet – ein Zeugnis von Glaube, Kultur und Gemeinschaft, das weitergeführt und neu gestaltet werden soll, stets am Puls der Zeit.

Liebe – und dann tu, was du willst!

Der Gründer: Riese Haymon

Die Sage berichtet, dass ein Riese namens Haymon nach einem Kampf mit dem einheimischen Riesen Tyrsus zur Sühne ein Kloster erbaut habe (um 878).

Die Sage über den Riesen Haymon

„Als Tag und Jahr verloffen war Achthundert schon verstrichen Zu siebzig acht hats auch schon gmacht Da Haymon Tods verblichen. Der tapfre Held hat sich erwählt Ein Kloster aufzuführen: Gob alls hinein ging selbst auch drein Wolts doch nicht selbst regieren Hat löblich glebt, nach Tugend gstrebt Ein Spiegel war Er allen Riß hin, Riß her, ist nicht mehr Er ins Grab ist Er hier gfallen.“

Der Riese Haymon

Der Riese Haymon dürfte ein bayerischer Adeliger und Gefolgsmann des Herzogs Tassilo gewesen sein. Seine Spuren könnten aufgrund der Absetzung des Herzogs bewusst verwischt worden sein. Das Volk gestaltete eine Sage, um so die geschichtlichen Lücken der Anfänge des Klosters zu schließen. Der Legende nach soll er über den Zirlerberg in das Inntal gewandert sein. Er geriet in Streit mit dem einheimischen Riesen Thyrsus und erschlug diesen mit dem Schwert. Als Wiedergutmachung soll Haymon selbst ein Kloster bei der alten Laurentiuskirche erbaut haben. Ein Drache, der die Sillschlucht behauste, zerstörte das Bauwerk immer wieder, bis Haymon ihn tötete und ihm die Zunge herausriss. Die Drachenzunge befindet sich heute im Stiftsmuseum.


Zerstörung im 2. Weltkrieg

Die vielen Aufbrüche der ersten Nachkriegszeit, vor allem in der Jugendseelsorge, fanden ein jähes Ende im Nationalsozialismus. 1939 wurde Abt Schuler gezwungen, das Stift zu verkaufen.

D. Siard Wimmer, Mitbruder während der NS-Zeit

„Ob das alte Veldidena in der langen Zeit der Völkerwanderung schlimmer verheert wurde als das moderne Wilten unter der kurzen Ära Adolf Hitlers, läßt sich füglich bezweifeln!“

“Kaufvertrag”

In der Bartholomäusnacht 1939 ging ein Geflüster durch die Zellen der noch wachen Mitbrüder:

Das Stift ist aufgehoben, morgen heißt es wandern!

Am frühen Morgen wussten es bereits alle. Am 26. August 1939 wurde der gesamte Besitz des Stiftes Wilten durch den Gauleiter Hofer in die Gauselbstverwaltung überführt und grundbücherlich übereignet. Nach der Bombardierung besichtigte der Gauleiter das Stift und gab den Befehl, den Turm zu sprengen. Es waren schon Sprenglöcher gebohrt, da setzte sich das Denkmalamt energisch zur Wehr. Frau Dr. Gritsch mobilisierte alle maßgeblichen Persönlichkeiten zur Verhinderung der Zerstörung des Klosters.