Am Ostermontag nach der Frühmesse geht der Pfarrer zu einer ihm befreundeten Familie nach Hause. Der 8-jährige Maxl empfängt ihn und fragt ihn gleich: Herr Pfarrer, was ist eigentlich ein Wunder? Der Pfarrer freut sich über das Interesse des Buben und beginnt im ausführlich über die Bedeutung der Wunder im NT zu erzählen, natürlich besonders über das größte Wunder, nämlich die Auferstehung Jesu. Und dann fragt der Pfarrer den Maxl: Warum wolltest du das eigentlich wissen? Und der Maxl: Ja, wissen Sie, wie die Mama Sie aus dem Fenster kommen sehen hat, da hat sie gsagt: Da kommt der Pfarrer. Es wär a Wunder, wenn der nicht wieder zum Essen da bleiben wollt… 

Die Auferstehung Christi ist das größte Wunder. Aber wie kann man das erklären? Ein leeres Grab? Niemand war Zeuge zum Zeitpunkt der Auferstehung. Deshalb gehört die Auferstehung auch eher zu den raren Bildmotiven der christlichen Kunst. Es gibt wenige Gemälde, die es wagen, Christus als Auferstandenen direkt vor Augen zu stellen. Eines davon ist das berühmte Altarbild des Matthias Grünewald (vgl. Titelseite des Liedblattes): Christus ganz im Lichtglanz, in der Herrlichkeit des neuen Lebens. Er wird nicht angestrahlt, er leuchtet von innen heraus – wie die Sonne. Aber wer vermag dieses große Geheimnis, dieses Wunder überzeugend zu malen, wer kann das wirklich schauen?

Die Botschaft, dass Christus wahrhaft auferstanden ist, sie ist einfach unfassbar, nicht zu fassen – nicht in Worte zu fassen. Die Evangelisten haben sie nicht und konnten sie auch nicht beschreiben. Es gab ja keine Augenzeugen. Die Kunde von Ostern ist tatsächlich unglaublich. Selbst die Jünger glauben zunächst nicht der Nachricht der Maria Magdalena.

Immer mehr Menschen, auch Christen glauben nicht mehr an die Auferstehung und haben damit auch keine Hoffnung auf Erfahrungen der Auferstehung im Leben wie auf die Auferstehung am Jüngsten Tag. Die meisten Christen leben heute so, als habe es Ostern nie gegeben.

Und doch: Keine andere Botschaft hat die Welt so verändert: Es ist die Grundwahrheit unseres Glaubens. Wäre Christus nicht auferweckt worden, dann wäre unser Glaube umsonst – schreibt Paulus (vgl. 1 Kor 15,14). Diese Wahrheit kann mein Leben verändern, wenn ich daran glaube.

Abt Raimund Schreier - Ostersonntag 2018 - Stiftskirche Wilten

1. Mit unserem Verstand können wir diese Wahrheit nicht begreifen. Aber wir können uns ergreifen lassen und um diesen Osterglauben bitten, indem wir Ostern feiern – jetzt in der 50-tägigen Osterzeit sowie an jedem Sonntag während des Jahres. Denn jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest.

Menschen, die zweifeln, Menschen, die den Osterglauben verloren haben, solche Menschen kann ich nur einladen, die innere Flamme wieder neu entzünden zu lassen gerade und besonders in der Feier von Ostern. Denn die österliche Liturgie vermittelt in ihren Liedern und Gebeten, in ihren Gesten und Riten Hoffnung auf Trost, verkündet Freude und Frieden. Sie feiert ein Übermaß an Lebensenergie. Wir dürfen uns ergreifen lassen von dieser unglaublichen Botschaft in der Feier der heiligen Liturgie. 

2. Und dann dürfen wir den Auferstandenen schauen, wir dürfen ihm im täglichen Leben begegnen, ihn greifen in den Erfahrungen von Auferstehung im Leben.

Der Engel im leeren Grab fordert die Frauen auf, sie sollten den Jüngern sagen: „Er ist von den Toten auferstanden. Er geht Euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr in sehen“ (Mt 28,7). Galiläa, das ist unsere Welt, das Land, in dem wir heute leben. Dort dürfen wir den Auferstandenen schauen. Wir werden ihn schauen, wenn wir in ein menschliches Antlitz sehen, das nach Zeiten der Trauer wieder lachen kann. Wir werden den Auferstandenen sehen, wenn wir beobachten, wie ein Konflikt sich löst, wie sich die Atmosphäre bei einem Gespräch entspannt, wie Menschen sich miteinander versöhnen und Frieden stiften.

Auferstehung will geschaut werden mitten im Leben. Auferstehung können wir auch sehen, wenn wir mit wachen Augen auf die Natur schauen, die im Frühling überall aufblüht. Der Auferstandene ist ganz präsent in unserem Leben, in unserem Galiläa. Er hat es uns versprochen. Wenn wir IHN mit wachen Augen mitten im Leben entdecken, dann wird Auferstehung greifbar. 

Liebe österliche Gemeinde!

Ostern ist nicht zu fassen, kaum zu beschreiben, Ostern ist unsagbar.

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten im Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut…

Amen.

Zu den Bildern

des Gottesdienstes

Newsletter

Wenn Sie unseren regelmäßig erscheinenden Newsletter abonnieren wollen, geben Sie bitte hier Ihre Daten ein:

Anschrift

Stift Wilten
Prämonstratenser-Chorherren
Klostergasse 7
6020 Innsbruck
Tirol, Österreich
Telefon: +43 512 583048

email


Klosterladen

An der Pforte unseres Stiftes finden Sie unseren Klosterladen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch auch auf unserer facebook-Seite


Volltextsuche

Stift Wilten, Innsbruck

powered by webEdition CMS