„Sch‘ma Israel! Höre Israel“ so spricht Mose zum Volk Israel. Wenn du willst, dass es dir gut geht – so mit freien Worten wiedergegeben– dann musst du das halten und tun, was Gott uns gesagt hat. 

„Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“ so werden später die Jünger Jesus fragen. Eine altmodische Frage, so scheint es. Stellen wir sie ein wenig anders: Meister, was muss ich tun, damit mein Leben gelingt? Wie muss ich leben, damit ich glücklich werde? Worauf kommt es in meinem Leben an?

Eine höchste aktuelle Frage. Vielleicht die wichtigste überhaupt. Jesus gibt eine doppelte Antwort und bezieht sich darauf auch auf die Aussage von Moses im Buch Deuteronomium (1. Lesung): Damit dein Leben gelingen kann, sind zwei Dinge wichtig, die letztlich zusammengehören: Einmal, dass Gott in deinem Leben eine Rolle spielt. Dass dein Leben im Glauben an Gott ein festes Fundament hat. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“. Ebenso wichtig ist, dass du mit deinen Mitmenschen in guter Gemeinschaft lebst. 

Der zweite Teil der Antwort leuchtet uns sofort ein: Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe. Das ist klar. Glücklich leben können wir nur in guten menschlichen Kontakten mit anderen.

Der erste Teil der Antwort ist uns heute viel weniger selbstverständlich: Die GOTTESliebe. Viele sagen; Wir brauchen Gott nicht, wir haben ja uns selbst. Wir kommen ganz gut ohne ihn zurecht. Unser Leben bewältigen, mit unseren Problemen fertig werden, das schaffen wir auch so. Gott ist gerade in unserem heutigen Europa verdrängt, vergessen worden. Er ist aus dem Leben vieler Menschen verschwunden. 

Der Mensch jedoch sehnt sich im Innersten seines Herzens nach Gott. Und auch Gott sehnt sich nach dem Menschen. Deshalb will er bei den Menschen sein: im Gotteshaus, in der hl. Liturgie, im Wort, im Nächsten. Seine liebende Gegenwart schenkt uns Menschen Kraft und Trost, felsenfesten Halt und Orientierung, gibt uns Werte wie Nächstenliebe und Solidarität, schenkt uns religiöse Geborgenheit und Hoffnung auf ein ewiges, nie zerbrechliches Glück. Dieses göttliche Du enttäuscht uns nie, lässt uns nie im Stich im Gegensatz zu Menschen. Alles auf dieser Welt wird vergehen. Gott jedoch bleibt für immer. So auch seine Liebe. 

Deshalb müssen wir Getaufte wiederum mehr von diesem Gott der Liebe reden und nicht von unseren innerkirchlichen Problemen.

Manchmal aber sind Worte zu wenig, da fehlen sie uns einfach. Hier muss die Musik einspringen; denn sie ist die Sprache des Herzens. Oder wie Leo Tolstoi sagt: „Die Musik ist die Stenografie des Gefühls“. Wenn wir Gott den Menschen nahe bringen, wenn wir von ihm reden, ihn loben und preisen, dann brauchen wir die Musik.

Musik ist der schönste und tiefste Ausdruck für das Gotteslob. Denn Musik hat eine enorme Kraft über den Menschen, sie rührt die „inneren Saiten“ an, die durch das Wort allein nicht zum Klingen kommen. Singen und Musizieren ist eine Steigerung menschlicher Ausdrucksfähigkeit. Manches kann man eben nicht bloß sagen. Das wäre zu trocken, zu gewöhnlich. Das Singen und die Stimmen der Schöpfung im Klang der Instrumente bringen unseren Lobpreis, den Jubel eines Hymnus an den dreifaltigen Gott, einen Dank am besten zum Ausdruck. Deshalb schreibt Paulus an die Gemeinde in Ephesus (2. Lesung): „Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen… Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn!“ (Eph 5, 19).

Ein hl. Norbert, der Gründer unseres Prämonstratenserordens wollte, dass wir, seine Jünger, neben der hl. Eucharistie mehrmals am Tag Gott loben im sogenannten Stunden- oder Chorgebet. Neben der Verkündigung ist eine unserer wichtigsten Aufgaben das Gotteslob. Deshalb versammeln wir uns dreimal am Tag hier im Chorgestühl, um Gott zu loben, ihm zu danken und auch unsere Bitten, die Bitten der Menschen dieser Stadt und dieses Landes vor Gott zu tragen. 

Zum größten Gebot Gottes gehört neben der Gottesliebe auch die NÄCHSTENliebe. Auch hier ist Musik ein wunderbares Instrument im ursprünglichen Sinne des Wortes, ein Hilfsmittel, um Menschen einander näher zu bringen. Musik bildet Gruppen, sie eint Familien, Pfarrgemeinden, Städte und Länder, Kulturen und Kontinente. Musik ist die Sprache, die alle verstehen. Musik schlägt Brücken von Mensch zu Mensch, von Generation zu Generation über alle Stände hinweg. Musik schafft Identität, sie sensibilisiert Herzen. Musik kann trösten und heilen, sie ist als Therapeutin sehr gefragt. Und Musik führt ins Glaubensmysterium.

Deshalb dürfen wir heute anlässlich des Norbertifestes wie auch des 200 jährigen Jubiläums unseres Landeskonservatoriums ein großes DANKE sagen. Danke, dass es solche Institutionen wie das Konservatorium, wie Musikschulen und ähnliche Ausbildungsorte der Musik gibt. Wir dürfen dankbar sein, dass in unseren Familien, in unseren Dörfern, in unserer Stadt das Musizieren als Einzelne, aber auch in Kapellen, in Chören und Ensembles wieder große Bedeutung hat und sehr gefördert wird. Wir danken allen, die sich dafür einsetzen – ob Politiker, ob Lehrende, ob Studierende und Ausführende oder wer immer. 

Wir dürfen jetzt bei dieser Eucharistie DANKE sagen und ein Danklied anstimmen wie es ein König David im 2. Buch Samuel gesungen hat: „Ich will dir danken Herr, vor den Völkern, ich will deinem Namen singen und spielen“ (2 Sam 22,50). 

Möge uns die Musik dabei helfen. AMEN.

 

 

 

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