Datum: Montag, 18. Juni 2018
Ort: Ferdinandeum Innsbruck

Sowohl als Stellvertreter des Vorsitzenden des Vorstandes und Mitglied des engeren Verwaltungsausschusses prägte er den Verein und seine Ideale stark mit, war stets ein wichtiges Bindeglied zwischen Nord-, Ost- und Südtirol und Trentino und ein großer Förderer von Kunst und Kultur. 

Seine Verbundenheit mit dem Stift Wilten zeigt sich darin, dass Dr. Cescutti den Konventausflug organisiert, jedesmal, wenn dieser nach Südtirol führt. Mit seinem umfassenden Wissen über die Tiroler Kultur-, Geistes- und politische Geschichte beeindruckt und begeistert er immer wieder die Teilnehmer.  

Wir gratulieren dem wunderbaren Kulturvernetzer, Dr. Marjan Cescutti sehr herzlich zur Ehrung!


V. l. n. r.: Lukas Madersbacher, Barbara Psenner, Marjan Cescutti, Franz Pegger, Silvia Höller, Julia Hörmann-Thurn und Taxis.


Die Laudatio von em. o. Univ.-Prof. Dr. Josef Riedmann zum Nachlesen.

Sehr geehrte Freunde und Weggefährten von Dr. Cescutti, lieber Marjan, liebe Paula 

Es war oder es ist Zeit, höchste Zeit, die Verdienste eines Mannes durch die Verleihung der höchsten Anerkennung zu würdigen, die der Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zu vergeben hat. 

Es gibt wohl keine Persönlichkeit in Südtirol, die so wie Marjan Cescutti im Kulturleben des Landes vernetzt ist. Zunächst als Lehrer beziehungsweise als Direktor des Bozner humanistischen Gymnasiums und dann als langjähriger Leiter des Südtiroler Kulturinstituts konnte Cescutti seine umfassenden Kenntnisse über die Landschaft, die Kunst, Geschichte und auch über die gegenwärtigen Verhältnisse  in seiner Heimat intensiv kennen und lieben lernen. Aber Marjan verfügt nicht nur über ein immenses Wissen. Seine besondere Begabung liegt darin, dieses Wissen auch mit anderen zu teilen. Und den Umgang mit Menschen beherrscht Marjan Cescutti ganz hervorragend, wobei er in gleicher Weise Exponenten der Kultur, aber auch der Politik und Wirtschaft, in seiner engeren Umgebung wie auch Landfremde, in seinen Bann zu ziehen vermag. Ob mit einem sogenannten einfachen Bauern auf einem abgelegenen Hof, ob mit prominenten, manchmal auch eigenwilligen Künstlern und Literaten, ob mit Schlossbesitzern, qualifizierten Weinbauern, oder mit Mitgliedern von Männer- und Frauenklöstern - Cescutti kann mit allen reden.  In seiner zurückhaltenden und zugleich interessierten und wissenden Art gewinnt er stets Vertrauen und Zuneigung.

V. l. n. r.: Marjan Cescutti, Josef Riedmann

Und es war und ist Cescutti ein besonderes Anliegen diese von ihm entdeckten Besonderheiten seiner Heimat auch anderen zu zeigen. Das Publikum, das er dabei zu interessieren, ja zu begeistern vermag, reicht beispielsweise von der Sektionschefin oder bekannten Schriftstellerin aus Wien bis zu den Konventen von Wilten und Stams, die er jedes Jahr zu einer bestens vorbereiteten Kulturfahrt über den Brenner einlädt. Sie alle erhalten von kompetentester Stelle die Schönheiten Südtirols und Einblicke nicht nur in die Gegenwart, sondern auch in die wechselvolle Vergangenheit des Alten Tirol vermittelt. Von dieser allgemein bekannten, verdienstvollen Tätigkeit von Marjan Cescutti, profitierten natürlich nicht nur die schon genannten Nordtiroler Klosterinsassen, sondern auch andere Bewohner des österreichischen Bundeslandes Tirol. Seit seiner Studentenzeit an der Alma Mater Oenipontana, mit der er sich stets eng verbunden fühlte und für die er sich als die Landesuniversität für ganz Tirol vielfach einsetzt, unterhielt Cescutti persönliche Beziehungen, etwa zu Franz Huter, Eugen Thurnher, Erich Egg oder Wolfgang Pfaundler. Ich kann und will in diesem Zusammenhang keine weitere umfassende Aufstellung von Namen bieten.

Cescuttis in einem Versuch kurz geschilderten Eigenschaften und Tätigkeiten sowie seine zentrale Verankerung in der Südtiroler kulturellen Szene bildeten wohl auch den Grund für seine Berufung in die Leitungsgremien des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Es sind zunächst einfache einschlägige Notizen, die man den regelmäßig erscheinenden Berichten des Ferdinandeums entnehmen kann: Im Jahr 1983 ist zu lesen, dass der geschäftsführende Vorstand des Südtiroler Kulturinstituts in Bozen Marjan Cescutti in den Verwaltungsausschuss des Ferdinandeums kooptiert worden ist. Anschließend wurde er dann in diese Institution gewählt und war dann „der Südtiroler“ in diesem Gremium. Seit 1991 bekleidete Cescutti die Funktion des 1. Stellvertreters des Vorstandes und war Mitglied des sechsköpfigen Engeren Ausschusses, des entscheidenden Führungsorgans des Hauses. In dieser Position wirkte Cescutti bis ins Jahr 2005. 

Hinter diesen Fakten verbirgt sich eine Unmenge an persönlichem Engagement, weit über die häufigen offiziellen Sitzungen und informellen Besprechungen hinaus, die Cescutti mit größter Gewissenhaftigkeit immer wieder wahrgenommen hat. Ganz nebenbei bemerkt: Die unzähligen Fahrten nach Innsbruck waren nur möglich durch das persönliche Entgegenkommen einer Autolenkerin in Gestalt seiner Frau Paula, die sich übrigens  auch große Verdienste als Chauffeuse für Direktor Erich Egg bei dessen zahlreichen Südtirolfahrten erwarb, welche die Grundlage bildeten für die bekannten Kunstmonographien über einzelne Südtiroler Landschaften. Erich Egg und Marjan Cescutti verband offensichtlich nicht nur die Leidenschaft für Kunst und Landschaft, sondern auch die Abneigung gegen das Lenken eines Autos. Wenn ich recht informiert bin, kompensiert Cescutti dies mit der Vorliebe für den Aufenthalt im Führerstand von Lokomotiven, vor allem bei Gebirgsbahnen.

Ein Verdienst von Cescutti war es zweifellos auch, dass er für die Einbeziehung von weiteren Südtirolern und auch von einem Trentiner in Gestalt von mons. Iginio Rogger in Führungsgremien des Ferdinandeums eintrat. Darunter befanden sich nicht nur Vertretern der Kultur, sondern auch Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, die ihre Erfahrungen in der Organisation und fallweise auch andere Möglichkeiten in den Betrieb des Museums einbrachten.

Die 80iger und 90iger-Jahre bis 2005 waren im Ferdinandeum gekennzeichnet neben der normalen Alltagsarbeit durch die Hochwasserkatastrophe im Zeughaus und deren Aufarbeitung, aber auch durch glanzvolle Ausstellungen im Haupthaus und im Zeughaus, die einzelnen Themen der Kunst, Kultur, Geschichte aber auch der Naturwissenschaften gewidmet waren – gemäß dem Auftrag des Ferdinandeums als Universalmuseum für das ganze alte Tirol. Die Organisation lag in erster Linie in den Händen der Direktoren Erich Egg und dann von Gert Ammann, beziehungsweise auch einzelner Kustoden. Diese Ausstellungen gestalteten sich auch zu gesellschaftlichen Ereignissen mit einer engen persönlichen Anbindung an die Kulturabteilung des Landes bis hin zur Spitze der Regierung. In besonderem Maße gilt dies auch für die großen Landesausstellungen, die in einzelnen Teilen des Landes in regelmäßiger Abfolge veranstaltet wurden und welche die Präsenz des Ferdinandeums auch außerhalb von Innsbruck unter Beweis stellten. Einen Höhepunkt und wohl auch Abschluss dieser Entwicklung stellten die großen Landesausstellungen 1995 „Eines Fürsten Traum. Meinhard II. Das Werden Tirols“ in Schloss Tirol und Stift Stams sowie im Jahr 2000 „circa 1500“, besser bekannt als „Leonhard und Paola. Ein ungleiches Paar“ in Lienz, Brixen und Beseno im Trentino dar, die mit in enger Zusammenarbeit mit den Landesregierungen in Bozen und Trient zustande gekommen sind und größten Anklang gefunden haben. Marjan Cescutti hat bei diesen Veranstaltungen sein profundes, vielseitiges Wissen und Anregungen eingebracht und aufgrund seiner Verbindungen im Süden entscheidende Kontakte hergestellt und Wege eröffnet. 

Eine Intensivierung der Kontakte des Ferdinandeums zum Süden ergaben sich auch durch einen, maßgeblich von Marjan Cescutti initiierten regen Austausch von Ausstellungen und Präsentationen von Künstlern über den Brenner hinweg. Karl Plattner, Gotthard Bonell, Martin Rainer – um nur drei Namen zu nennen, fanden in Innsbruck eine Würdigung. Alle drei Persönlichkeiten standen bzw. stehen mit Marjan Cescutti in enger freundschaftlicher Verbindung.  Andererseits wanderten Ausstellungen von Innsbruck nach Bozen und teilweise auch in den Palazzo delle Albere in Trient. August Stimpfl und Anton Christian – um auch hier nur beispielhaft Namen zu nennen – konnten ihre Werke in dem von Marjan Cescutti geleiteten Kulturinstitut in Bozen zeigen. In diesem Zusammenhang ist auch auf die große Präsentation des Ferdinandeums in Schloss Maretsch in Bozen hinzuweisen. Sie bot im Jahr 1993 Gelegenheit, das gesamttirolische Universalmuseum in seinen vielfältigen Facetten im Zentrum von Südtirol einem breiten Publikum vorzustellen. Besonders die umfangreiche Sammlung der Bibliothek und ihre Benutzungsmöglichkeiten erregten eine nachhaltige Wirkung.

Für die Vertiefung der Kontakte in den Süden erwies sich eine weitere von Marjan Cescutti und dem damaligen obersten Denkmalpfleger in Südtirol Helmut Stampfer initiierte Einrichtung von nachhaltiger Wirkung: der jährliche Ausflug des Verwaltungsausschusses des Ferdinandeums nach Südtirol oder in das Trentino. Er bot zwar auch die üblichen Höhepunkte an Speis und Trank, führte aber durchwegs zu Orten, die kaum einer der Teilnehmer kannte, und die in der Geschichte und Gegenwart unseres Landes von Bedeutung waren. Vor allem die Nordtiroler Mitglieder des Ausschusses, aber wohl auch die Südtiroler Vertreter, erhielten so vor Augen geführt, welche Aufgabe ihnen als Bewahrer einer großen gemeinsamen Vergangenheit über heute bestehende Grenzen hinweg anvertraut ist. Die gleiche Erfahrung wurde in kleinerem Rahmen auch anderen Funktionären des Museums zuteil, denen Cescutti die meist unbekannten Sehenswürdigkeiten aber auch die Begegnung mit seinen Landsleuten, seien es Künstler und auch andere „Originale“ vermittelte. Dass dabei sein geliebter Vinschgau einen gewissen Vorrang eingenommen hat, ist für Kenner von Marjan nicht überraschend.

Aber es gab bisweilen durchaus auch Angelegenheiten, die nicht so reibungslos über die Bühne gegangen sind. Eine besondere Episode kann ich Ihnen nicht vorenthalten: Zu dem besonderen Kostbarkeiten des Ferdinandeums zählt der berühmte Altar von Schloss Tirol, das Denkmal zur Erinnerung der Einbeziehung der Grafschaft in den habsburgischen Machtbereich im Jahre 1363. Als nun der damalige, sehr dynamische Landeshauptmann von Südtirol mit großem Wohlwollen und großzügigen Mitteln begann, das Stammschloss Tirol zu einem repräsentativen Landesmuseum auszugestalten, lag es nahe, auch den Altar, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts von dort weggekommen war, wieder an seinen ursprünglichen Standort „zurückzuholen“. Mit seinem Ansinnen dürfte Luis Durnwalder auch bei seinen politischen Kollegen in Nordtirol auf ein gewisses Verständnis gestoßen sein. Doch der Altar befindet sich nicht im Eigentum des Landes, sondern die Sachlage ist mehr als kompliziert. Aufgrund eigenartiger Umstände kamen die Bilder des Altars in das Eigentum des Stiftes Wilten, der Schrein, also die Umrahmung, gehört allerdings dem privaten Museumsverein. Schon vor langer Zeit haben sich Museum und Stift darauf geeinigt, das gesamte Ensemble als Dauerleihgabe im Ferdinandeum dem Publikum zu präsentieren, und die Vereinsführung war aus verständlichen Gründen nicht bereit, eine Hauptattraktion des Hauses abzugeben. Entscheidend bei dieser Angelegenheit musste sich die Stellungahme von Stift Wilten erweisen. In Bozen wusste man von den ausgezeichneten Beziehungen von Marjan Cescutti zu Abt und Konvent von Wilten.  Cescutti erfüllte allerdings nicht diese in ihn gesetzten Erwartungen, sondern er vertrat die Ansicht, dass der Altar als eminentes Zeugnis des alten Tirol im Ferdinandeum seinen richtigen Platz gefunden hat. Es entzieht sich meine Kenntnis, wie lange und wie tief Cescutti daraufhin beim Landeshauptmann in Bozen in Ungnade gefallen ist.  Das dies jedoch der Fall gewesen ist, war aber andeutungsweise und doch klar zu vernehmen. Es fand sich übrigens eine salomonische Lösung des „Problems“. Ein kunstfertiger Grödner Schnitzer fertigte eine perfekte Kopie des Altars an, die heute wieder die Kapelle in Schloss Tirol ziert. Ob man dort jedes Mal darauf hinweist, dass es sich dabei nicht um das Original, sondern nur um eine Kopie handelt, soll uns weiter nicht beunruhigen.

Mit dem Rückzug aus den offiziellen Führungsgremien waren die engen Verbindungen zwischen Marjan Cescutti und dem Museum natürlich nicht zu Ende. Marjan zählt zu den eifrigen und regelmäßigen Besuchern des Hauses, sei es um eigene Forschungen zu betreiben oder für andere, seiner kulturell interessierten Landsleute Informationen einzuholen. Aber das läuft keineswegs in Form eine Einbahnstraße. Cescutti bringt seinerseits wiederum sehr erwünschte Informationen und Anregungen aus dem Süden. Vor allem bringt er ganz regelmäßig Druckwerke aller Art in die Bibliothek des Hauses. Dabei handelt es sich weniger um gängige Neuerscheinungen, die auf dem normalen Buchmarkt erhältlich sind, sondern insbesondere um Gelegenheitsschriften aller Art, die normalerweise nur eine lokale Verbreitung finden, aber gerade für die eben auf das ganze alte Tirol ausgerichtete Sammeltätigkeit der Ferdinandeumsbibliothek von größter Wichtigkeit sind. Sie würden auf einem anderen Weg kaum den Weg in dieses Haus finden, bilden aber ein Rückgrat für die angestrebte und immer wieder Erstaunen hervorrufende umfangeiche Dokumentation, die sich in dieser berühmten gesamttirolischen Einrichtung im Laufe vieler Jahre angesammelt hat. Marjan Cescutti bewährt sich als höchst verlässlicher „Zuträger“ bei dieser Sammeltätigkeit, die ganz wesentlich das Ansehen des Ferdinandeum sogar weit über den alten Tiroler Raum zwischen Kufstein und Ala prägt. In dem jährlichen Bericht, den der Kustos der Bibliothek erstattet und der ja auch im Druck vorgelegt wird, finden sich bekanntlich die Namen von Personen verzeichnet, die der Sammlung Schenkungen zukommen haben lassen. Solche, die eine besondere Großzügigkeit an den Tag gelegt haben, sind mit einem Sternchen gekennzeichnet. Bei Marjan Cescutti müsste wohl jedes Jahr ein ganzer Sternenkranz leuchten.

Es war Zeit, es ist höchste Zeit - ich wiederhole mich -, dass der Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum beschlossen hat, Marjan Cescutti in die Reihe seiner Ehrenmitglieder aufzunehmen. Er wird – wie ich ihn kenne und wie es seine Art ist, dies nicht mit Stolz der Allgemeinheit südlich und nördliche des Brenners verkünden, aber er wird sich darüber freuen – und wir freuen uns mit ihm. Diese Freude gesellt sich zu dem tiefempfundenen Dank für das jahrzehntelange Wirken eines Mannes im Dienste einer Einrichtung, der wir uns alle in guten wie in eher stürmischen Zeiten – solche hat es immer gegeben – zutiefst verbunden fühlen.

Noch einmal danke Marjan für Deine vielfältigen und äußerst wertvollen Leistungen für das Ferdinandeum, und ich erlaube mir auch an dieser Stelle, Dir und der lieben Paula für die persönliche Freundschaft, die unsere Familien jetzt schon seit so langer Zeit verbindet, ganz herzlich zu danken.

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